Die ganzheitliche, authentische Organisation

Schon seit langem beschäftigt mich intensiv die Frage, was die Zusammenarbeit zwischen Menschen bestmöglich fördert. In der Zentrale der SAP SE, wo ich an die 15 Jahre lang arbeitete, stand in einem Korridor, direkt am Ende einer Brücke, die zwei Gebäude verband, an einer Wand:

„Dedicated to all who choose to build bridges rather than silos, who put personal agendas aside to team up, and who understand that trust is the ultimate human currency“.

Dies war angeblich ein Zitat der damaligen co-CEOs der SAP Bill McCermott & Jim Hagemann Snabe.

Die SAP-Zentrale in Walldorf war für gut 15 Jahre meine Heimat gewesen. Die SAP war mein erster Arbeitgeber nach dem Studium und ermöglichte mir Einblicke in die Arbeit großer Unternehmen und Konzerne wie der SAP selber und ihrer Kunden, die ich vorher nie für möglich gehalten hätte. Und doch erlebte ich immer wieder genau das, was anscheinend die beiden Co-CEOs mit diesem Satz zu motivieren versuchten: Dass wirkliche, für alle Seiten nährende Kollaboration eine hohe Kunst zu sein schien.

Wenn Zusammenarbeit nicht gut funktioniert, dann wird sie meiner Wahrnehmung nach meist durch politisches Agieren ersetzt. Das heißt, die persönlichen Absichten werden nicht mehr offen kommunziert, sondern die Beiteiligten agieren verdeckt strategisch um ihre individuellen Interessen zu sichern. Dadurch geht der Blick auf das Gesamtinteresse aller Parteien verloren und damit das Erreichen des bestmöglichen gemeinsamen Ergebnisses ebenfalls. Der mächtigste Protagonist herrscht und die Schwächeren versuchen durch Politik zumindest ihre Positionen zu wahren.

In einer offenen, authentischen Umgebung hingegen, in der die Einzelinteressen und damit das Gesamtinteresse der Gruppe klar kommuniziert wird, ist durch genau diese Transparenz das bestmögliche Ergebnis und damit das höchste Potenzial sicht- und erreichbar. Authentizität steht und fällt für mich durch ein klares, authentisches, gemeinsames Bekenntnis zu einem klar definierten, gemeinsamen Anliegen. Warum tun wir das, was wir gemeinsam tun? Was für einen Unterschied wollen wir gemeinsam genau in der Welt machen? Warum ist uns gemeinsam das, was wir tun, ein Herzensanliegen?

Solch ein Gespräch ist sehr persönlich. Es erfordert letztlich, dass ich mich wirklich zeige mit dem, was mir am wichtigsten ist.
Für mich ist es ebendies:

Meine Arbeit soll dazu dienen, dass Menschen mit sich selber und miteinander in einen authentischen, ganzheitlichen Kontakt kommen und genau dadurch ihr volles Potenzial leben können.

Ihr volles Potenzial erreichen Menschen meiner Erfahrung nach in einem authentischen, ganzheitlichen Umfeld. Ganzheitlich heißt für mich dabei, dass sowohl die mentale, emotionale als auch die physische Ebene im Arbeitsumfeld als elementar wichtig gewürdigt werden. Denn erst wenn ich das, was ich will (= Denken) vollständig fühlen kann, kann ich wirklich leidenschaftlich dieses Anliegen verfolgen. Mit allen Gefühlen, welche dazu gehören. Bei der SAP SE hatten wir uns vielfach sehr hohe Ziele gesteckt. Dass dort vielfach die Emotionen hochgeschlagen sind, halte ich nicht für unprofessionell, wie es vielfach noch in der Geschäftswelt abgewertet wird. Ich sehe es eher anders herum: Ohne Emotionen keine Leidenschaft und ohne Leidenschaft keine außergewöhnliche Leistung. Gefühle sind an sich kein Problem, eher die Lösung. Sie werden erst schwierig, wenn sie stigmatisiert und ausgegrenzt werden. Dann stauen sie sich nur an und entladen sich dann irgendwann übermäßig. Oder sie führen zu Kontaktabbruch aus Angst vor übermäßiger Entladung.

Eine ähnliche Rolle spielt für mich dabei der Körper: Leidenschaft und Gefühle sind im Wesentlichen Energie, die fließen will. Vor allem erst einmal im Körper. Das wiederum braucht eine gute körperliche Bewusstheit und ein Umfeld, welches diese unterstützt. Spüre ich die Freude über das, was ich erreichen will, in meinem gesamten Körper und wird dieser körperliche hochenergetische Zustand von anderen gewürdigt und mitgefühlt, dann habe ich mein Ziel bereits so gut wie erreicht. Denn ich verkörpere es bereits mit jeder meiner Zellen und strahle das auch auf andere aus.

Wird in einer Organisation derart der ganze Mensch in seiner Authentizität auf allen 3 Ebenen (Denken, Gefühle, Körper) willkommen geheißen, dann werden Tanz (die Zielverfolgung) und Tänzer (der Mensch) eins. Und dies ist auch genau das, wofür dadaone stehen soll:
dance and dancer are one.